Norwegengroßfahrt 2o13

von: am: 22. August 2013 06:59

Hochsommer im Norden!

Unsere Norwegen Großfahrt begann mit einer 2-tägigen  Zugfahrt quer durch Deutschland und Dänemark. Ich war aufgeregt weil dies meine erste (Pfadfinder-)Fahrt außerhalb Deutschlands und auch meine erste Reise in die Skandinavischen Länder war. Obwohl ein Zugschaffner sich weigerte unsere 21-köpfige Reisegruppe trotz Reservierung einsteigen zu lassen, weil er seinen Zug für zu voll befand, kamen wir wohlbehalten in Hirtshals an der Spitze Dänemarks bei der Fähre an. Dies hatten wir einer wohlwollenden Bahnangestellten zu verdanken welche uns auf Kosten der Bahn einen Reisebus organisierte, sodass wir unsere bereits gebuchte Fähre doch nicht verpassten. Glück gehabt!

Matze Fahne

Die Fähre fuhr um 8 Uhr abends ab und viele von uns legten sich unter freiem Himmel auf dem Achterdeck schlafen. Ich habe trotz Gischt und Wind eine sehr gemütliche Nacht verbracht. Gegen 1 Uhr kamen wir dann in Larvik (Norwegen) an. Die Nacht war lau und wir liefen durch den großen nächtlichen Hafen zum Bahnhof, um dort die kurze Zeit bis zu unserem Zug mit schlafen zu verbringen.

Am nächsten Tag ging es mit der Bahn weiter nach Otta, einem beschaulichen Örtchen nahe der Rondane Hochebene mitten in Norwegen, von wo aus es mit dem Bus weiter zu unserem Startpunkt ging. Hier spaltete sich unsere 22 Kopf starke Gruppe in zwei auf. Von dort aus wanderten wir etwa eine halbe Stunde über die sich unglaublich weit erstreckende Hochebene, wirklich sehr beeindruckend, und fanden an einem kleinen Wildfluss unseren ersten Zeltplatz. Der Morgen war wunderschön sonnig und warm und ich habe noch nie so gut gelaunt Zähne geputzt, mit Wasser aus dem Wildfluss natürlich.

Zähne putzen

Es ging dann sehr bald weiter, auf unserem Weg kamen wir an einem unglaublichen Wasserfall vorbei, und weiter ging es durch Nebel und über Steinfelder, bis wir schließlich unsere wohlverdiente Ruhestätte nach etwa 10 km fanden.

In der Nacht wachte ich auf und kam nicht drumherum zu bemerken, dass eine Zeltbahn auf meinem Gesicht lag. Ich lag eine Weile da und langsam dämmerte es mir, dass wohl unser Zeltmast gebrochen war. Ich weckte meine Zeltmitbewohner und kroch nach draußen. Es nieselte und windete wie fast immer und es mochte so um 3 Uhr gewesen sein, auf jeden Fall war es sehr dunkel. Ich mühte mich gefühlte 5 Minuten ab von außen den Knoten unseres anderen Zeltes zu lösen und fror dabei, leicht bekleidet wie ich war, jämmerlich. Als ich endlich den Knoten offen hatte fackelten wir nicht lange und legten uns alle irgendwo wo nur Platz war in das noch stehende, auch schon relativ volle Zelt. Ich habe in dieser Nacht einen Fleck von etwa einem Meter Länge erwischt, war aber erstaunlicherweise trotzdem dankbar über die wenn auch unfreiwillige Gastfreundschaft der Bewohner des anderen Zeltes.

WegweiserHow much is the fish?Wasser gefunden!

Am nächsten Tag ging es weiter durch kleine Sümpfe und wir kauften unterwegs in einem kleinen sehr idyllischen Ort namens Hovringen einen leckeren Fisch, welchen wir selbst ausnahmen, im Wildfluss wuschen und uns am Abend schmecken ließen. Am nächsten Morgen mussten wir erst einmal einen großen Berg besteigen, der uns alle an den Rand der Kräfte brachte. Wir bauten uns oben einen Windschutz aus Isomatten  und bekamen jeder unsere Vespa, heute einen Apfel, wohl der Beste den ich je gegessen hatte. Es ging weiter über eine weite, nicht enden wollende Hochebene, weit über der Baumgrenze. –Faszinierende Eindrücke! Abends fanden wir an einem schönen See ein offenes Bootshaus, ein wahrer Glücksfund. Dort verbrachten wir auch den nächsten Tag um unsere Kräfte wieder aufzutanken,  und wuschen uns im 10 ° C warmen bzw. kaltem Wasser. (Einer von uns hatte ein Badethermometer dabei, da dieses aber nur bis 10°C ging hatte jedes Gewässer eine Temperatur von 10°C, ein zuverlässiges Mittel für Optimismus! 😉 )

Bach

Am nächsten Abend wurde unsere Pause von einem Mann beendet, der das Bootshaus gemietet hatte und nun seine Ferien dort zu verbringen gedachte. Er war aber sehr entspannt, erlaubte uns noch unser Abendessen zu beenden und so liefen wir in den letzten Stunden des Tages noch etwa 5 km über Steinwege und durch Sümpfe zum nächsten Ort, um dort unseren nächsten Schlafplatz zu finden.

Von dort aus trampten bzw. liefen wir an die 28 km noch zum nächsten Ort mit Zuganbindung, in kleinen Gruppen, um unsere Mitfahrchancen zu erhöhen. Die Norweger enttäuschten uns jedoch, in ihrer Tramper(un)freundlichkeit. Ich hatte das Glück mit meinem Trüppchen auf dem Anhänger eines Traktors mitgenommen zu werden. Dieser hatte aber keine Schutzbleche und da es geregnet hatte, waren wir mit meinem Rucksack ziemlich mit Matsch besprenkelt. Auf dem Weg muss irgendwo wohl auch ein frischer Kuhfladen gelegen haben…

Landscape

Dies tat meiner guten Laune aber keinen Abbruch und wir erreichten alle den Zielort Dovre. Am Bahnhof wollten wir in den Warteräumen übernachten, der Anwohner, welcher den Schlüssel hatte, weigerte sich jedoch uns die Tür zu öffnen, obwohl er ganz offensichtlich da war. Wir klingelten regelmäßig bei ihm Sturm und schlugen unsere Zelte auf, direkt unter seinem Fenster, um auf den Zug am nächsten Morgen zu warten. Am späten Abend trat der Anwohner tatsächlich vom Fenster aus mit uns in Kontakt, allerdings nur um uns zu sagen das wir doch gefälligst bis morgen weg sein sollen, weil er ansonsten die Polizei rufen würde. Den Gefallen taten wir ihm auch. Am nächsten Morgen nahmen wir um 5 Uhr den Zug nach Otta, wo wir wieder mit dem Rest unserer Wandergruppe zusammenstießen.

Wir verbrachten noch drei erholsame Tage in  ein paar Ferienhäusern und duschten endlich mal wieder warm.  -Welch ein Genuss! Nach unserem geselligen Abschlussabend ging es früh am Morgen mit dem Zug los in Richtung Heimat. Als wir auf die Fähre in Richtung Süden stiegen schaute ich lange dem felsigen Ufer Norwegens nach, bis es langsam verschwand. Mir war dabei schon ein bisschen weh zumute. Die restliche Fahrt verlief wie im Flug, wir schliefen fast die ganze Zeit und kamen spät  in Frankfurt an. Wir verabschiedeten uns traurigen Herzens voneinander da wir im Laufe unserer Wanderschaft zu einer starken Gemeinschaft zusammen gewachsen waren. Ich lief vom Bahnhof aus zu Fuß durch das nächtliche Frankfurt nach Hause, von einer seltsamen behaglichen Ruhe bewegt. Ich dachte an die vergangene gemeinsam erlebte glückliche Zeit, im Norden, in stiller Freude vielleicht noch einmal dorthin zurückzukehren.

Gruppe

Gut Pfad!

Max Schoen

Pfadfinder und Gruppenleiter aus dem Stamm II in Frankfurt

Weitere Bilder in unserem Fotoalbum!