Trifels 2011

von: am: 9. Oktober 2011 17:55

Maë Govannen.

Etwas wie dieses Sängerfest auf der Trifels habe ich vorher noch nie erlebt!

Man könnte sagen: das Trifelstreffen war ein einziges andauerndes Finale. Von der ersten Sekunde an. Ein Programmpunkt war glänzender als der andere, jeder für sich ein Kleinod, strahlend wie ein Silmaril (Oh, wie rein zufällig das Bild zur Thematik passt Wink ).

Das große Finale begann ja schon am ersten Abend, da Elbereth (Almut) von der Erschaffung der Welt erzählte, von Laurelin und Telperion, von ihrer Verdunkelung durch Morgoth, von Feanor und seinem Eid, und von dem Licht der Bäume von Valinor, das fortan in den Silmaril bestand. Derart berührend waren die Darstellungen, dass mir die Tränen sehr nahe waren, vor Freude und Verzückung, aber auch, weil mich das Schicksal der Elben und der Silmaril ergriff.

Am gesamten Samstag und auch am Sonntag liefen alle Vorbereitungen auf Hochtouren. Man spürte schon die bereits vorangekündigten wahren Finalpunkte nahen, wenn man morgens und mittags im AK arbeitete und (in meinem Fall [=>im Chor]) Perlen der Musik entdeckte. Wir sangen die Entstehung der Welt (ainulindalë), wir sangen auch die Geschichte um den Felsen von Vinyamar (Ich vermute immer noch, dass es sich bei dem Vogel um Elwing handelt, die den Silmaril trug) und den Freudentanz der Elben beim Anblick des Silmaril, der vom Himmel aus Mittelerde erhellt.

Die tiefe innere Freude, die diese wunderschönen Geschichten und Klänge in mir auslösten, hatte (zum Glück) noch nicht begonnen, abzuklingen, als am Samstag Abend bereits der Volkstanz rief. Tränen des Glücks wurden abgelöst durch den Schweiß einer halb durchtanzten Nacht (circa 5 Stunden?) – und das passierte mir ohne Vorwarnung, der ich wie Armin mit Tanz zuvor nicht wirklich viel am Hut hatte. Aber meine Füße wollten mich nicht gehen lassen, die Halle wurde immer heißer, die Tänzer und auch ich wurden mit der Zeit immer extatischer – und leider auch immer weniger – und so waren die Füße am nächsten Morgen blasig.

Am Sonntag sandte bereits der Burgabend seine Vorboten aus: Vorfreude, Vorproben, Vorsingen, Vorauswahl, Vorausschauen auf einen freudvollen, festlichen Abend, aber auch einen Abend, der zur Besinnung einlud. Vielevieleviele Liedbeiträge haben wir gehört, und nur von vieren kann ich nicht sagen, dass sie grandios waren, weil ich es nicht weiss (da stand ich nämlich mit im Chor und bekam keinen Gesamteindruck Wink ). Die Beiträge waren grandios. Mal witzig und schnell, mal besinnlich und getragen, vokal, instrumental oder beides, all das umfassten sie und berührten und erfreuten sicherlich nicht nur mein Herz. Ich glaube, diese Stimmung innerster Freude im gesamten Saal sehr deutlich gespürt zu haben, in den stillen Momenten sowie bei Lyrik und Gesang, wenn die Zufriedenheit sich im Saal ausbreitete und wie eine warme Decke alle Kälte aus dem Saal drängte.

Ich muss gestehen: den Markus kannte ich vorher gar nicht. Zum ersten mal traf ich ihn hier, auf dieser meiner ersten Trifels, und habe ihn auch nicht persönlich, sondern nur auf eine gewisse Entfernung kennengelernt, in Andachten und Singerunden, und natürlich als Organisator, v.a. von Bal Folk und Burgabend, und doch, obwohl ich ihn hier zum ersten mal gesehen habe, hat mich der Abschied seiner von der Organisation des Trifels-Sängerfestes traurig gestimmt – für einen Moment tieftraurig, sodass die Trauer neben meiner Freude über das gesamte Trifelstreffen existierte.

Auch das Theaterstück, in dem alle AKs zusammengeführt wurden, war natürlich final. Und obendrein auch noch berührend, dramatisch, ergreifend. Es zwang zum Mitfiebern! Die Welt wird ersungen, Melkor, der später Morgoth wird, stört die Erschaffung der Welt. Die Silmaril werden erfasst, getrennt und auf ewig entrückt. Earendil selbst wird zur ewigen Wache über einen der Silmaril verurteilt, mit dem er in seiner Himmelsbarke Mittelerde erhellt. Feuer und Wasser verschlingen die anderen Silmaril. Morgoths Armeen werden in der finalen Schlacht von den Valar besiegt. Das Böse dauert dennoch fort, doch auch die Hoffnung, die zuletzt allein auf der Bühne steht – in Gestalt eines uns allen wohlbekannten Hobbits. Very Happy
Das Silmarillion habe ich gelesen. Die Geschichten sind spannend, doch sehr langatmig. Die Darstellung hingegen, die zum einen der rote Faden der Trifels war, zum anderen durch die Zusammenführung der AKs entstand, war packend, mal lustig und mal rührend, und nie auch nur ansatzweise langatmig. Es war spürbar, dass eine Menge Herzblut in der Organisation und Durchführung des Treffens steckte.

Und nicht zuletzt sollen die Menschen erwähnt werden. Allüberall waren tolle Menschen, Menschen, die in ihrem Streben ebenso waren wie ich, die da waren, um sich bezaubern zu lassen und auch mit zu gestalten, andere zu verzaubern, und die Musik und das Menschsein noch intensiver erleben wollten. Unter solchen Menschen kann man doch glücklich sein!

… Und aus diesem Grund will ich dieses Wochenende nicht missen. Es war erfüllend und bereichernd. Es hat das eine Verlangen gestillt und wirft sogleich das nächste auf. Aber das wird wohl erst im nächsten Herbst gestillt werden.

Maë ior!
Marius
Pfadfinder in Frankfurt